Grande Region
Kooperationspolitik”
Landesgrenzen verlieren im vereinten Europa immer mehr an Gewicht. Stattdessen formieren sich neue Regionen, die auf vielfältigen Kooperationsbeziehungen zwischen Teilräumen verschiedener Staaten gründen, wie die Saar-Lor-Lux geopolitische Einheit. Die Industrie- und Handelskammer Trier und die Chambre de Commerce von Luxemburg verfolgen das Ziel, die Zusammenarbeit in der Großregion zum beiderseitigen Nutzen weiter auszubauen und die sich daraus ergebenden Chancen zum Wohle der Unternehmen und Arbeitnehmer zu nutzen. Interview mit Arne Rössel, Hauptgeschäftsführer.
Können Sie uns kurz die Industrie- und Handelskammer kurz vorstellen ?
Die IHK Trier ist das gemeinsame Unternehmen der rund 28.000 Unternehmen und ihrer rund 90.000 Mitarbeiter in der Region Trier, die aus den Landkreisen Bernkastel-Wittlich, Eifelkreis Bitburg-Prüm, Vulkaneifel, Trier-Saarburg und der Stadt Trier besteht.
Für unsere Mitgliedsunternehmen arbeiten wir als kundenorientierter Dienstleister, kritischer Partner der Politik und unabhängiger Anwalt des Marktes. Wir machen uns stark für ihren Erfolg und verstehen uns als gestaltende Kraft für die Entwicklung der Region Trier. Dabei setzen wir auf Beratungskompetenz und hohe Service-Qualität.
Existenzgründungsberatungen, Seminare zu unternehmensrelevanten Themen im Steuer- und allgemeinen Wirtschaftsrecht, Hilfen in betrieblichen Krisensituationen für die Mitglieder, Durchführung von Aus- und Weiterbildungsprüfungen, unsere Tätigkeiten sind vielfältig.
Wie werden sich die Aufgaben der IHK von Trier in die Zukunft weiterentwickeln ?
Ein zentrales Projekt zur Weiterentwicklung der IHK-Organisation wird es in Zukunft sein, die Interessenvertretung noch stärker in den Vordergrund zu rücken und das ehrenamtliche Engagement der Unternehmen weiter zu fördern. Bei den großen Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern sind bereits 60 Prozent ehrenamtlich in der IHK verankert. Der Anteil kleinerer Unternehmen konnte während der letzten Jahre weiter erhöht werden und liegt derzeit bei fast 40 Prozent. Nach der Umfrage stehen fairer Wettbewerb, Senkung von Steuern und Abgaben sowie Bürokratieabbau als Themen ganz oben auf der Prioritätenliste der Unternehmen. Die IHK-Organisation wird sich daher in Zukunft intensiv für diese Anliegen einsetzen und bei der Politik als konstruktiv-kritischer Partner für die Sichtweise der Unternehmen werben.
Welche sind die Synergien zwischen der IHK Trier und den anderen Handelskammern der Großregion, insbesondere der Chambre de Commerce von Luxemburg ?
Zur Förderung der wirtschaftlichen und politischen Integration der Großregion haben die IHKs im Saar-Lor-Lux-Raum bereits frühzeitig gemeinsame Projekte durchgeführt. Mit der 1990 gegründeten Arbeitsgemeinschaft wurde eine länderübergreifende Plattform zur Unterstützung der 180.000 Mitgliedsunternehmen geschaffen.
Die Arbeitsgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Unternehmen der Großregion bei den wachsenden Herausforderungen des globalen Wettbewerbs zu unterstützen, den Wissenschaftsstandort Saar-Lor-Lux nachhaltig zu fördern und eine enge Kooperation mit politischen Entscheidungsträgern und anderen Institutionen zu verstärken. Dies wird durch ein umfangreiches Repertoire gemeinsamer Initiativen und Projekte zustande gebracht.
Die IHK und die Chambre de Commerce sind von der Rechtsgrundlage her ziemlich ähnlich. Sowohl bei der IHK als auch bei der Chambre de Commerce müssen laut Gesetz alle Unternehmen, bis auf die Handwerker, Mitglieder sein. Sie haben die gleichen Aufgaben, das heißt die Beratung der Politiker und die Erbringung weiterer Dienstleistungen zugunsten der Unternehmen.
Seit dreißig Jahren arbeiten wir mit der Chambre de Commerce eng zusammen. Themenbezogene Treffen finden regelmäßig mit den Präsidenten der Kammern, Hauptgeschäftsführern und die Abteilungsleitern statt. Luxemburg ist unbestreitbar eine ganz bedeutende Adresse, während Frankreich unser wichtigster Handelspartner ist. Ohne Luxemburg wäre unsere wirtschaftliche Entwicklung nicht so positiv. Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft sind Luxemburg, Trier und Saarland besondere Impulsgeber. Besonders enge Kontakte bestehen zwischen Luxemburg und Trier, da die Entfernung zwischen den Städten gering ist. Eine so enge grenzüberschreitende Kooperationspolitik gibt es nirgendwo anders in Europa. Beispielhaft hierfür steht auch der Wirtschafts- und Sozialausschuss der Großregion, in dem die IHKs mitwirken.
Im Jahre 2002 haben wir eine Kooperationsvereinbarung zwischen beiden Kammern beschlossen. Dabei spielt die Berufsausbildung und die Weiterbildung eine wesentliche Rolle. Manche Ausbildungen und Lehrgänge werden nur von der Chambre de Commerce von Luxemburg angeboten. Unsere Lehrlinge werden daher dorthin geschickt.
Weitere sehr wichtige Anliegen sind die außenwirtschaftliche Kommunikationspolitik und die Öffentlichkeitsarbeit. So werden Delegationsreisen und Messereisen ins Ausland regelmäßig organisiert, um die Unternehmen bei der Eroberung von Exportmärkten zu unterstützen.
Außerdem treffen sich die Entscheidungsträger beider Kammern mindestens einmal pro Jahr, um Arbeitsprogramme insbesondere im Handelsbereich sowie im Aus- und Weiterbildungssektor gemeinsam aufzustellen. Andere Interessensphären werden auch in Betracht gezogen, wie zum Beispiel verkehrspolitische Initiativen.