Vianden
Vianden feiert 700 Jahre Freiheitsbrief
Vianden mit seinen 1772 Einwohnern auf einer Fläche von 9,68 km2 ist gleichzeitig die einzige Ortschaft der Gemeinde Vianden und Kantonalhauptort des gleichnamigen Kantons, der kleinste des Landes.
Interview mit der Bürgermeisterin Gaby Frantzen-Heger.
Können sie Vianden beschreiben?
Die besondere topographische Lage mit dem Schloss sowie der Ringmauer machen aus Vianden eine Mittelalterstadt die bis weit über die Grenzen hinaus die Touristen anzieht. Geschichte und Kultur sind größtes Kapital der Stadt und müssen erhalten bleiben. Zahlreiche Museen, Sehenswürdigkeiten und kulturelle Ereignisse ziehen viele Besucher an. Dank dem Freibrief von 1308 wurde Vianden im Mittelalter zu einer politisch wichtigen Stadt mit großem Einfluss und Wohlstand und war im 15ten Jahrhundert mit 3000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes. Die Lehren aus der Vergangenheit gilt es für die zukünftige Entwicklung zu nutzen.
Welche Projekte sind in Arbeit?
Eine Gewerbezone soll auf dem Mont Saint Nicolas geschaffen werden Diese kann den Betrieben ausserhalb von Vianden neue Möglichkeiten bieten und auch Bauland frei machen. Eine Wohnsiedlung von Einfamilienhäusern ist auf dem alten Fussballfeld geplant, sowie auf eine private Initiative hin, ein Einkaufszentrum, um die Attraktivität der Stadt zu steigern. Ein neues Altersheim soll von Servior auf dem ehemaligen Elektroluxgelände erbaut werden. Zur Zeit bestehen in Vianden ein Pflegeheim und ean Altersheim. Letzteres ist veraltet und liegt im historischen Kern von Vianden, der nötigte Umbau ist deshalb nicht möglich. Die neue Bestimmung dieses alten Gebäudes muss noch festgelegt werden. Auch die Erneuerung der Straßen schreitet voran, 2009 wird die vielbefahrene „montée du château“ erneuert und die „rue du vieux marché“ erhält ein neues Geländer sowie eine neue Stützmauer.
Welche Schwierigkeiten kennt Vianden?
Was die Schule angeht, bestehen wegen den zahlreichen, oft sozial schwachen Ausländern sehr kleine Klassen um die optimale Betreuung und Integration zu gewährleisten. Diese Aufteilung sowie ein gutes Angebot von Nachhilfestunden oder Luxemburgischkursen belasten die Gemeindekasse. In Vianden fehlt eine geschlossene Badeanstalt, aber das Hotel Bellevue plant den Bau eines Schwimmbades und vielleicht können auch die Schulkinder hier Schwimmunterricht bekommen. Die Gemeindeverantwortlichen erwünschen sich eine größere Dezentralisierung des Landes, zum Beispiel könnte das „office régional du tourisme“ sich in Vianden niederlassen, oder auch andere Verwaltungen hier ein Büro einrichten.
Ausserdem betrachten die Gemeindeverantwort-lichen den Bau eines Parkhauses und eines Lifts als notwendig um das Verkehrsaufkommen zu begrenzen und nicht länger das schöne Gesamtbild der Stadt durch die entlang der Straße geparkten Autos zu trüben.
Welche Besonderheiten gibt es in Vianden?
Die abgeschlossene Lage, etwas isoliert nahe dem deutschen Grenzgebiet trägt dazu bei dass Vianden einzigartige kulturelle Ereignisse organisiert und alte Traditionen wahrt. Bräuche wie das Martinsfeuer „Miertchen“ oder der „Jaudes“, das Rüsten und Zurschautragen von Schlehdornsträuchern am Karfreitag sind einzig in Vianden zu finden. Der alljährliche „Nëssmaart“ oder regelmäßige Mittelalterfeste vor der imposanten Kulisse des Schlosses sind gut besucht. Zur Steigerung der Attraktivität der Stadt sollen das frühere Puppenmuseum sowie das Haus Dicks und das Haus Péitsch zu einem einzigen „Musée de la ville de Vianden“ ausgebaut werden. In Vianden findet man auch den einzigen Sessellift in Luxemburg. Dieser ist auch für Kleinkinder zugelassen, sowie für den Transport von Fahrrädern und wird insbesondere von den Touristen viel genutzt.
Wie feiert Vianden die seit 700 Jahren bestehenden Stadtrechte?
Am 23 November 1308 erhielten die Bewohner von Vianden den Freiheitsbrief der ihnen ihre Stadtrechte und ersten Freiheiten garantierte und somit den Grundstein legte für das Vianden wie wir es heute kennen. Für die Geburtstagsfeierlich-keiten wurde ein großes kulturelles Programm erarbeitet, leider etwas eingeschränkt durch die knappe finanzielle Lage. Besondere Höhepunkte der Festlichkeiten für diese „700 Jor Veinen“ sind das Volksfest „Veinen Voll Musik“ am 27 Juli, die „Akademische Festsitzung“ vom 23 November, bei der der Historiker Michel Margue Vianden einem Rückblick unterzieht, und die Ausstellung „Veiner Goldschmattskonst“. Diese im Mittelalter sehr wichtige Zunft wird so dem interessierten Publikum nahe gebracht. Auch einbezogen in die Feierlichkeiten ist das Schloss, das der Stadt gehört und von der Asbl „Les Amis du Château de Vianden“ verwaltet wird. Die Feierlichkeiten sollen die historische Vergangenheit der Stadt Vianden hervorheben, die Integration der Einwanderer fördern und die zukünftige Entwicklung anregen.
Wie soll die zukünftige Entwicklung aussehen?
Vianden zeichnet sich aus durch eine gute Lebensqualität aus, eine intakte, schöne Natur und gute Infrastrukturen. Der Wachstum der Bevölkerung ist ein angestrebtes Ziel um dem Handel un dem Handwerk weiteren Aufschwung zu geben und auch um die dringend benötigten Geldmittel zur Wahrung des Lebensstandarts besser auftreiben zu können. Von heute 1772 Einwohnern ist ein Wachstum auf etwa 2500 Einwohner möglich ohne große infrastrukturelle Änderungen. Aktuell ist jede Handwerksgruppe in in Vianden vertreten und es gilt deren Zukunft zu sichern.